Die IAA ist immer ein ganz besonderes Fest für Automobilfreunde. Hier sieht man, was sich die Autoindustrie so überlegt hat und wie sie ihre Kunden bei der Stange halten möchte. Garniert mit hübschen Frauen wird hier aber vor allem auch ein Punkt ins rechte Licht gerückt und das ist die Forschung. Automobilhersteller sind vor allem auch beschäftigt damit, an neuen Technologien zu forschen, um herauszufinden, wo der Autofahrer seine Interessen hat. Das ist nicht nur das Finden alternativer Antriebe, sondern auch neue Karosserieformen, Multimedia und alles, was es dem Autofahrer noch ein wenig bequemer macht, während er am Steuer sitzt.
So manches Fahrzeug soll aber auch einfach zur zeigen, was man sich überlegt hat und wozu man in der Lage wäre. Die Mercedes Studie F125! ist ein solches Beispiel. Noch lange ist man mit der Forschung an den Möglichkeiten, die bei diesem Modell gezeigt werden, nicht fertig, denn so weit in die Zukunft konnte man auf der IAA eigentlich noch nie schauen. So überspringt der F125! eine ganze Generation und soll zeigen, was in der übernächsten Stufe alles möglich sein kann. Laut Mercedes wird ein tatsächlicher Verkauf des Fahrzeuges nämlich erst ab 2025 wirklich vorstellbar und dazwischen liegen sicherlich noch sehr viele weitere Stufen.
Doch nun zur Technik.
Der F125! hat Wasserstofftanks, wird also nicht durch Benzin oder Diesel angetrieben. Um Energie zu sparen, verfügt das Fahrzeug über eine besonders leichte Karosserie. Da die Tanks hier direkt integriert sind, kann man eine Menge Platz sparen. Wo bisher Leichtbau vor allem auch mit Aluminium in Verbindung gebracht wurde, ist man beim F125! auf Kunststoff gestoßen. Selbstverständlich fehlt auch Aluminium genauso wenig wie Carbon, aber Kunststoff ist hier noch etwas ganz neues. Auch die B-Säule, an die man sich eigentlich schon gewöhnt hat, gibt es hier nicht, denn die Schutzsysteme liegen unterhalb der Tür. Als kleines Goodie hat der F125! natürlich auch Flügeltüren.
Auch multimedial gesehen ist der F125 schon etwas ganz besonderes. Man kann ihn steuern, indem man Sprache, Touchscreens und auch Gesten nutzt. Das gesamte System des Autos ist aber auch selbstständig und kann Verkehrsberichte starten, Nachrichten auch Postfächern holen und anschließend direkt mit schöner Musik beginnen. Bevor man seine Fahrt beendet, gibt der F125! dem Fahrer einen kleinen Wetterbericht, damit dieser weiß, ob er einen Schirm oder eher doch Sonnencreme braucht. Sogar eine kleine Sekretärin sitzt im System. Sie sortiert aus, wer den Fahrer kontaktieren darf und wer nicht. Das Fahrzeug kann zudem auch auf Stimmungen gekonnt reagieren. Nur atmen, das muss man im F125! noch selbst.
Der schöne Begriff der Cloud fehlt auch im F125! Nicht. Hier muss dann keine Synchronisation mehr stattfinden, um irgendwelche Geräte nutzen zu können. Das Programm „Remote Convenience“ zeigt autorisierten Personen, wie voll der Tank noch ist, welchen Verbrauch man hat und wann das Fahrzeug wieder zur Wartung muss. Über das eigene Smartphone kann man dann Navigation, Temperatur und auch Unterhaltung voreingestellt werden.
Doch jetzt kommt ein neuer Clou, der „Advanced Driving Assist“. Hier muss der Autofahrer, wenn er auf der Autobahn ist, nicht mehr selbst lenken oder Gas und Bremse betätigen, denn das Auto fährt wie von Geisterhand. Sogar eigenständiges Überholen soll irgendwann möglich sein. Der F125! kommuniziert per Funk mit anderen Verkehrsteilnehmern, aber auch mit Ampeln und Verkehrszentralen. Erkennt das Fahrzeug eine Gefahr, sagt es dem Fahrer schon Bescheid, bevor er diese überhaupt sehen kann. Das soll vor allem die Sicherheit enorm steigern.
Angetrieben wird der Mercedes F125! von vier Elektromotoren, die besonders radnah montiert sind. 231 PS Dauerleistung können diese erbringen. Betrachtet man sich die Maximalleistung, so gelangt man hier auf ganze 313 PS. Das Auto kommt in 4,9 Sekunden von Null auf Hundert und verbraucht auf 100 Kilometern voraussichtlich gerade mal 0,79 Kilogramm Wasserstoff. Damit man sich das besser vorstellen kann, entspricht diese Menge Wasserstoff in etwa 2,7 Litern Dieselkraftstoff. Tankt man den F125! voll, soll man laut Mercedes tatsächlich bis zu 1000 Kilometer weit kommen.
Für den F125! ist außerdem auch eine Lithium-Schwefel-Batterie eingeplant. Diese kann ganz berührungslos aufgeladen werden, also beispielsweise über Schleifen im Asphalt, die Strom führen. So kann man alleine durch Elektrizität noch einmal 50 Kilometer schaffen.
Der F125! Ist das, was man auch heutzutage noch als Zukunftsmusik bezeichnet. Allerdings muss man hierzu sagen, dass es sich nicht um ein einfaches Stück, sondern um eine wirklich ausgeklügelte Komposition handelt. Ein Fahrzeug, das so viel kann, wie es dieses Concept Car einmal soll, gibt es nicht und gab es bisher wahrscheinlich noch nicht mal auf den Zeichenbrettern anderer Entwickler. Gut sichtbar wird hier aber, dass auch unsere mittelfristige Zukunft nicht auf fliegende Autos setzt. Vielmehr auf Fahrzeuge, die helfen Geld zu sparen und Sicherheit zu geben. Künstliche Intelligenz ist hier das Stichwort und wenn wir dieser irgendwann vertrauen können, sind wir einen ganz ganz großen Schritt weiter. Doch das sind Stufen auf der Forschungsleiter, die können wir nur sehen, wenn wir ganz genau hinschauen. Bald aber vielleicht schon nicht mehr.



